Eine Woche am Seminar

Der Masterstudiengang in Mainz ist kein typischer universitärer Studiengang, denn hier wird neben der Theorie viel Wert auf praktische Übung gelegt. Radio, Print, Fernsehen … hier wird interviewt, geschnitten, vor Ort recherchiert, gedreht und geschrieben.

Montag 10 Uhr: Die zehn Teilnehmer der Radiolehrredaktion I treffen sich im Studio. Zunächst stellen sich alle in einer nachgestellten Interviewsituation paarweise vor. Dabei wird gleich erklärt, worauf sie in Interviewsituationen achten müssen. Danach gibt’s Theorie zu O-Tönen, die sofort spontan in einem fiktiven Beitrag angewandt wird. Und immer schön auf die Verknüpfung von Moderationstext und O-Ton achten. Zu guter Letzt die Hausaufgabe: ein Bericht mit Einblendungen von 3.30.

Dienstag: Ein oder zwei Seminare in der Publizistik. Inhalte sind Medienrecht, Medienethik oder Medienwirtschaft. Bloß nicht vergessen: Interviewpartner für den Radiobeitrag ranholen. Im Kolloquium des Oberkurses ist Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Presserats zu Gast. Er diskutiert mit den Studenten über Medienethik.

Mittwochs hält traditionell Volker Wolff, Professor für Journalismus, seine Vorlesung über Zeitungs- oder Zeitschriftenjournalismus. Anschaulich, praxisnah und informativ. Daneben bleibt Zeit für die Vorbereitung auf die Termine der Lehrredaktion Print:  Recherchieren, recherchieren, recherchieren und Zitate sammeln, um auf die Interviewpartner vorbereitet zu sein.

Donnerstag, 14.30 Uhr: Der Unterkurs trifft sich zur Lehrredaktion Print. In zwei Gruppen lernen die Studenten die wichtigsten Grundformen des Zeitungs- und Zeitschriftenjournalismus. Wie das geht, wissen – zumindest theoretisch – alle, denn die Grundlagen werden jeweils in der Vorlesung gelegt. In der Lehrredaktion kommt es auf die praktische Umsetzung an. Beispiel Magazinbericht: Die Begriffe These, szenischer Einstieg, Geschichte in der Nussschale, Rolle rückwärts hat Volker Wolff am Vortag definiert.

Jetzt kommt die Probe aufs Exempel: Zu Besuch ist der Vertreter einer Bürgerinitiative, die sich dem Kampf gegen ein neues Kohlekraftwerk verschrieben hat. Eine Stunde steht er für ein Gespräch zur Verfügung und liefert Argumente gegen den Bau des Kraftwerks. Anschließend geht es ins Mainzer Rathaus, Pressekonferenz mit dem Pressesprecher der Stadt, die den Bau des Kraftwerks unterstützt. Eine Stunde Argumente für den Bau des Kraftwerks. Um 18:30 endet die heutige Veranstaltung. Bis zur nächsten Woche muss der Bericht stehen. 150 Zeilen plus Vorschläge zur Illustration.

Freitag, 9 Uhr: Die Studenten des Radiokurs II treffen sich im Studio. Sie hören die Hausaufgaben – eine Umfrage zu einem aktuellen Thema – ab und besprechen sie. Dann geht es um das heutige Thema: Schreiben fürs Sprechen und Sprechen fürs Hören. Großer Spaß bei den Schnellsprechübungen („Sieben Zwerge machen Handstand, drei am Sandstrand, vier im Wandschrank“). Hausaufgabe für die nächste Woche: geschriebene Meldungen fürs Radio umformulieren.